Aus dem chinesischen Brauch des Blumenopfers entwickelte sich in Japan seit dem 7. Jahrhundert das Ikebana als eigenständige Kunstform. Die japanischen Zeichen für diesen Begriff lassen sich wie folgt übersetzen: lebendige Blumen zu ihrer eigentlichen Gestalt bringen. Durch die Jahrhunderte entwickelten sich unterschiedliche Stilrichtungen. Die alten Formen zB. Rikka oder Shoka richten sich nach strengen Regeln, später entwickelte Formen lassen dem Künstler mehr Freiraum zB Jiyuka.

Ikebana ist eine Kunst der Hingabe, Empfindung, Fantasie, Geschmack und vor allem Liebe zu den Pflanzen und zur Natur. Es verlangt genaues Hinschauen, lässt die Besonderheiten der Pflanzen in Linien und Formen, Oberfläche und Charakter erfahren. Man lernt die Eigenarten der Blumen kennen und ihre Wachstumsgesetze im Ablauf der Jahreszeiten. Für die Gestaltung eines Ikebana- Arrangements müssen die Naturgesetze beachtet, aber auch die Gesetze der Kunst, des Gestaltens beachtet werden, denn jedes Ikebana ist auch eine Skulptur, es greift in den Raum hinein.

Ikebana mit seinem meditativen Charakter bietet Gelegenheit, einige Stunden zur Ruhe zu kommen, sensibler für die Natur und Umwelt zu werden und die wirklich bedeutenden Dinge des Lebens zu erkennen. Freude an den Blumen, ganz naive und gar nicht wissenschaftliche Zuneigung zu ihnen, das kann schon ein Schritt zum Ikebana sein. Ob sich beim Europäer das Gefühl der Verwandtschaft mit den Pflanzen einstellen wird, wenn er Blumen liebevoll behandelt?

– Elisabeth Höfer
Mehr Infos dazu findet ihr hier!